Schweizerischer Tonkünstlerverein
Association Suisse des Musiciens
Associazione Svizzera dei Musicisti

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Offener Brief an die SUISA

Verabschiedet am 1. April 2017 von der Generalversammlung

Sehr geehrte Mitglieder des Vorstands und der Geschäftsleitung der SUISA

Nicht nur zahlreiche Schweizer Ensembles und Veranstalter, die sich hauptsächlich oder ausschliesslich der Aufführung urheberrechtlich geschützer Musik widmen, sondern gerade auch alle Schweizer Komponistinnen und Komponisten, deren Interessen unser Verein vertritt, haben mit Bestürzung den Beschluss der SUISA zur Kenntnis genommen, die Urheberrechtsgebühren für Veranstalter zeitgenössischer Musik massiv zu erhöhen.

Wohl würde man vermuten, dass der Schweizer Tonkünstlerverein dieses Vorhaben gutheisst, sieht es doch auf den ersten Blick so aus, dass die finanziell meist nicht besonders gut situierten Komponisten nun eine Entlastung erwarten dürfen.

Leider ist dieser Beschluss jedoch nicht nur kontraproduktiv, sondern trägt beinahe paradoxe Züge:
Erstens ist eine grosse Anzahl an Komponisten heute auch als Veranstalter tätig (das Berufsbild ist stark in Veränderung begriffen) – sie müssten also über die SUISA an sich selbst oder ihre Kollegen zahlen und würden den Aufwand der SUISA verlieren. Zweitens – und viel wichtiger – ist das Geld für die zeitgenössische Musik zurzeit so knapp, dass eine Erhöhung der SUISA-Abgaben ganz direkt zur Folge haben wird, dass Schweizer Komponisten (noch) weniger aufgeführt werden. Das kann nicht in deren Interesse sein. Zu bezweifeln ist auch, dass es im Interesse vieler Stiftungen und Subventionsträger ist, dass 9% ihrer gesprochenen Gelder an die SUISA fliessen anstatt direkt an die Musikergagen und sonstige Aufführungskosten.

Sehr wohl gäbe es aus unserer Sicht Potential, die Situation der Komponisten zu verbessern. Für Komponistinnen und Komponisten zeitgenössischer Musik ist es zum Beispiel schwer verständlich, dass eine Firma, die mit viel Geld einen SRF-Jingle herstellt, danach jahrelang zusätzlich eine SUISA-Abgeltung im fünfstelligen Bereich erhält.

Die Kurzfristigkeit der Änderung des Tarifs K mit einer Frist von der Unterzeichnung bis zum Inkrafttreten von gerade mal einer Woche wirkt gemessen an der sonstigen Wahrnehmung der SUISA überraschend unglaubwürdig und erzeugt Erklärungsbedarf. Auch war die Änderung nach Auskunft vieler Veranstalter in keiner Weise angekündigt oder einer Vernehmlassung durch die Betroffenen ausgesetzt. Sollten diese Auskünfte unzutreffend sein, bitten wir um entsprechende Aufklärung.

Wir würden uns sehr freuen, dazu beitragen zu können mit der SUISA gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten, die es für Komponisten und Veranstalter zeitgenössischer Musik nach wie vor attraktiv macht, neue Werke zu programmieren. Der STV als einziger Schweizer Verband der Komponistinnen und Komponisten des Landes stellt sich hiermit sehr gerne zur Verfügung für das Finden einer Lösung, die die Veranstalter zum Program- mieren von Neuer Musik animiert statt dies plötzlich und in so gravierendem Ausmass zu erschweren.

Für die Mitglieder, den Vorstand und die Geschäftsleitung STV/ASM mit freundlichen Grüssen

Käthi Gohl Moser
Präsidentin STV